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07.06.2009 | Drogenpolitik

Bundestag stimmt Heroin auf Krankenschein zu

Dammbruch auf dem Weg zur Drogenlegalisierung

In der letzten Woche hat der Deutsche Bundestag mit den Stimmen von SPD, Grünen, FDP und Linkspartei ein Gesetz beschlossen, das die Abgabe von Heroin an „Schwerstabhängige“ ermöglicht. Süchtige, die seit mindestens fünf Jahren opiatabhängig sind, zwei erfolglose Therapien hinter sich haben und wenigstens 23 Jahre alt sind, können künstlich hergestelltes Heroin (genannt Diamorphin) in speziellen Einrichtungen unter ärztlicher Aufsicht erhalten. Zu diesem Zweck wird Diamorphin zukünftig als ein verschreibungspflichtiges Medikament eingestuft.

In einer Pressemitteilung bejubelt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD) die Entscheidung des Deutschen Bundestages als „Durchbruch für die Behandlung von Schwerstopiatabhängigen, für den wir lange gekämpft haben“. In der Tat macht die politische Linke in Deutschland schon seit Jahren Stimmung für die staatliche Heroinabgabe. Die SPD war auch Initiator des Antrags im Deutschen Bundestag. Der Abstimmung vorausgegangen war eine klinische Studie im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums in 7 deutschen Großstädten. Dabei, so Bätzing, habe sich die Heroinabgabe hinsichtlich der Verbesserung des Gesundheitszustands, der Abstinenz (vom illegal erwobenen Straßenheroin) bzw. der Verringerung des Konsums der Schwerstabhängigen der klassischen Methadonsubstitution als „eindeutig überlegen“ erwiesen.

Tatsächlich? – Mitnichten! Die angeblich so positiven Ergebnisse des Heroinexperimentes sind vor allem ein Beispiel für die kreative Interpretation von Untersuchungsbefunden, die für Laien aber nur schwer zu erkennen ist. Um die Ergebnisse der 24-monatigen Begleitstudie richtig einordnen zu können, muß man folgendes wissen: Im Rahmen des Modellprojekts erhielten Schwerstabhängige injizierbares Heroin, während eine Kontrollgruppe oral verabreichtes Methadon als Ersatzstoff bekam. Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Substanzen ist, daß intravenös konsumiertes Heroin einen Rauscheffekt beim Süchtigen zur Folge hat, Methadon als Trinklösung eingenommen dagegen nicht. Methadon soll lediglich den Hunger nach Heroin und damit die Suchtsymptome unterdrücken.

Vielen Methadon-Behandelten ist das zu wenig. Sie beschaffen sich Heroin auf dem Schwarzmarkt, betreiben also sog. „Beikonsum“, um den Rausch, den „Kick“ oder „Flash“, weiter zu erleben. Diese Personen haben deshalb fortgesetzten Kontakt mit der illegalen Drogenszene, was negative Folgen etwa auf den Gesundheitszustand, die sozialen Kontakte und die Delinquenz der Betroffenen vor allem in Form von Beschaffungskriminalität hat.

Dies vorausgeschickt ist es also keinesfalls verwunderlich, wenn die mit Diamorphin versorgten Probanden im Vergleich zu den mit Methadon substituierten Untersuchungsteilnehmern weniger Straßenheroin nachfragen, von einem nachlassenden Beschaffungsdruck berichten und seltener kriminell auffällig sind. Warum sollte ein Süchtiger teueres Heroin auf dem Schwarzmarkt kaufen, wenn er künstliches Heroin mit gleicher Wirkung kostenlos vom Staat bekommt?! Muß der Konsument seinen Stoff nicht mehr illegal erwerben, dann sinkt sein Geldbedarf. Folglich begeht er weniger Beschaffungsdelikte. Die Delinquenz verringert sich also, sie verschwindet aber keineswegs vollständig, wie auch die Autoren der Studie einräumen müssen. Einige Untersuchungsteilnehmer begehen trotz staatlicher Heroinversorgung weiter Straftaten, nicht nur um ihren Lebensunterhalt, sondern auch den Kauf anderer Drogen auf dem Schwarzmarkt zu finanzieren. Schwerstheroinabhängige sind nämlich im Regelfall politoxikoman, d.h. sie nehmen nicht nur Heroin, sondern zusätzlich Rauschgifte wie Kokain, Amphetamine oder Cannabis. Deshalb ist auch bei den mit Heroin vom Staat versorgten Probanden Beikonsum illegaler Drogen weiter gegeben, wie auch der Abschlußbericht des Modellprojektes konstatiert.

Schon auf mittlere Sicht ist davon auszugehen, daß auch Straßenheroin von den Teilnehmern des Programms wieder verstärkt nachgefragt wird. Denn die Diamorphindosis, die der Arzt an einen Konsumenten abgibt, ist notwendigerweise begrenzt. Nur so lassen sich gesundheitliche Risiken vermeiden. Mit fortschreitender Behandlungsdauer empfinden immer weniger Probanden die gewünschte Rauschwirkung, die sich bei permanentem Heroingebrauch nur durch eine kontinuierliche Steigerung der Konsummenge erzielen läßt. Genau dieses Phänomen ist auch im Abschlußbericht des Modellprojektes dokumentiert. Bereits auf mittlere Sicht steigt deshalb die Gefahr, daß sich die in das Programm eingebundenen Süchtigen neben dem ärztlich verabreichten Diamorphin Heroin auf dem Schwarzmarkt beschaffen, um ihre individuelle Dosierungsmenge zu erhöhen. Folge: Die illegale Nachfrage nach Heroin steigt an. Genau diese Erfahrung, die sich wie gesagt erst im Verlauf mehrerer Jahre einstellt, hat man mit der ärztlich kontrollierten Heroinabgabe in Großbritannien gemacht, und zwar schon in den siebziger Jahren. Die in der kurzfristigen Perspektive konstatierte „Überlegenheit“ der Diamorphinbehandlung werden sich also mittel- bis langfristig deutlich relativieren.

Als Erfolg des Modellprojekts wird auch die Gesundheitssituation der mit Diamorphin versorgten Untersuchungsteilnehmer herausgestellt, die sich bei 80% der Probanden verbessert habe. Bei der Methadon-Vergleichsgruppe war diese Rate mit 74% aber nur unwesentlich niedriger. Und ob die bei vielen Süchtigen verbesserte soziale Situation tatsächlich der Heroinsubstitution oder in erster Linie der verstärkten psychosozialen Betreuung der Betroffenen geschuldet war, ist nach wie vor strittig.

Das entscheidende, in der öffentlichen Diskussion aber nur wenig reflektierte Problem der staatlichen Heroinabgabe ist die deutlich verringerte Motivation der Projektteilnehmer, ihren Rauschgiftkonsum zu beenden und ein Leben in Abstinenz zu führen. Warum sollte ein Abhängiger auf seine liebgewonnene Droge verzichten, wenn er den Suchtstoff regelmäßig und unentgeltlich von seinem Arzt erhält?
Klar ist: Heroin vom Staat verlängert individuelle Suchtkarrieren. Die Betroffenen werden durch das staatliche Rauschgiftangebot länger in der Drogenabhängigkeit gehalten. Und das ist inakzeptabel. Denn ein heroinabhängiger Mensch ist ein Sklave seiner Sucht und damit unfrei. Seine Gedanken kreisen in erster Linie um die von ihm begehrte Droge. Er ist deshalb kaum in der Lage, ein eigenverantwortliches Leben zu führen oder – bezogen auf die politische Sphäre – als ein mündiger Bürger im Sinne des Grundgesetzes zu agieren. Vor diesem Hintergrund ist es geradezu grotesk, wenn auch die FDP, die sich regelmäßig als „Freiheitspartei“ aufspielt, die vom Bundestag beschlossene Heroin-Regelversorgung auf Krankenschein als Akt der „humanitären Verantwortung“ feiert.

Die Kritik der CDU, die den Gesetzesentwurf von einzelnen Parlamentariern abgesehen im Bundestag ablehnte, entzündete sich vor allem an den zu erwartenden Kosten. Tatsächlich ist die Substitution von Süchtigen mit Heroin ungefähr dreimal so teuer wie die herkömmliche Methadonbehandlung. Strittig ist noch, wie viele Heroinkonsumenten in den Genuß der Regelversorgung mit Diamorphin kommen werden. Während die SPD von lediglich 2.000-3.000 Personen ausgeht, die zukünftig Diamorphin auf Krankenschein bekommen werden, nennt die CDU bis zu 80.000 Süchtige, die der Definition des Modellprojektes folgend als „schwerstabhängig“ einzustufen sind. Die Wahrheit dürfte wie oftmals im Leben irgendwo in der Mitte liegen. Die an dem Modellprojekt beteiligten Wissenschaftler gehen in ihrem Studiendesign übrigens von bis zu 17.000 Opiatabhängigen aus, die als potentielle Adressaten der Heroinvergabe in Frage kommen. Und dabei handelt es sich um eine konservative Schätzung. Bei Kosten von 17.634 Euro je Proband und Jahr kann man sich leicht ausrechnen, welche zusätzlichen Belastungen auf Deutschlands ohnehin klamme Krankenkassen zukommen werden. Kein Wunder also, daß die Spitzenverbände der Krankenkassen die Heroinvergabe ablehnen. Dagegen befürworten Suchthilfeeinrichtungen, Ärzte und Pharmaindustrie die neue Substitutionsbehandlung. Sie alle wittern zusätzliche Einnahmen aus der Diamorphinverschreibung. Und das zu Recht!

Anhänger des Modells weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, daß die Kosten der Heroinabgabe durch den Rückgang der Drogenkriminalität überkompensiert werden. Mit diesem Argument begründen auch CDU-geführte Kommunen und Bundesländer bis hin zum hessischen Ministerpräsidenten Koch ihre positive Haltung zur Diamorphinverschreibung. Dabei wird allerdings übersehen, daß es andere Wege gibt, mit denen man mindestens dieselben positiven Effekte erzielen könnte, jedoch unter Vermeidung der enormen Nachteile. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt ein Blick nach Asien. In Asien sind Opiate wie Heroin sehr viel stärker kulturell verankert als in den Industriestaaten der westlichen Hemisphäre. Ausgehend von den Erfahrungen der Vergangenheit, die z.B. in China gemacht wurden, setzt man hier konsequent auf eine repressive Drogenpolitik, und das mit Erfolg, wie das Beispiel Japan zeigt.

In Japan gibt es kein Heroinproblem, wie auch der Suchtstoffkontrollrat der UNO in seinen Jahresberichten regelmäßig bescheinigt. Warum ist das so? - Mitte der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts sah sich Japan mit einer Heroinwelle konfrontiert, die ihren Höhepunkt 1963 erreichte. Damals schätzte man die Zahl der Heroinabhängigen im Land der aufgehenden Sonne auf über 40.000. 1975 – also nur 12 Jahre später – waren es nur noch etwa 60 (!). Tokio hatte auf die stark gewachsene Zahl von Heroinkonsumenten mit drastischen Maßnahmen reagiert. Neben einer massiven Verschärfung der gesetzlichen Sanktionen einschließlich lebenslanger Freiheitsstrafen für gewerblichen Heroinhandel zur Bekämpfung des Angebotes setzte man auch bei den Süchtigen und damit der Nachfrage an: Jeder Heroinkonsument, den die Polizei aufgriff, wurde zwangsweise einer mindestens 30 Tage währenden Behandlung unterzogen. Zu Beginn dieser Behandlung mußten die Betroffenen einen kalten Drogenentzug ohne schmerzlindernde Medikamente über sich ergehen lassen – eine überaus unangenehme Prozedur, die aber einen abschreckenden Effekt bewirkte. Die Bereitschaft der Süchtigen, an einer abstinenzorientierten Therapie teilzunehmen wurde dadurch erhöht, die Rückfallgefahr gesenkt. Das Ergebnis spricht für sich.

Das erfolgreiche japanische Modell ist in Deutschland natürlich kein Thema, weder in der Politik noch in den Medien. Denn es paßt nicht ins ideologische Konzept der Linken, die eine Liberalisierung der Drogenpolitik bis hin zur völligen Freigabe aller Rauschgifte durchsetzen will. Radikale Kräfte verbinden damit die Hoffnung, die bürgerliche Gesellschaft durch die massive Verbreitung von Drogen handlungsunfähig zu machen und damit aus den Angeln zu heben. So hatte das der italienische Kommunist und Mitbegründer der kommunistischen Partei Italiens, Antonio Gramsci, schon in den 1930er Jahren propagiert. Diesem Ziel ist man in Deutschland durch die jetzt beschlossene Regelversorgung von Schwerstabhängigen mit Heroin einen großen Schritt näher gekommen. Folgerichtig stuft die Fraktion der kommunistischen Linkspartei im Deutschen Bundestag die Entscheidung als einen „Meilenstein“ in der Drogenpolitik ein.

Und dabei allein wird es nicht bleiben: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Zahl der in das Programm einbezogenen Süchtigen deutlich ausgeweitet wird. Denn wenn die Heroinabgabe tatsächlich so segensreich ist, wie ihre Protagonisten behaupten, dann spricht ja nichts dagegen, möglichst viele Konsumenten daran teilhaben zu lassen. Auch die strengen Regeln, die noch im Rahmen des Modellprojekts galten, dürften schnell aufgeweicht werden. Das gilt zum Beispiel für die Vorgabe, daß ein Süchtiger das Heroin nur unter ärztlicher Aufsicht in der Ausgabestelle spritzen und nicht etwa mit nach Hause nehmen darf. Damit sollen Mißbräuche wie etwa den Weiterverkauf der Droge auf dem Schwarzmarkt verhindert werden. Schnell wird man das „Recht auf selbstbestimmten Konsum“ postulieren, das es zu beachten gilt, weil man ja sonst einzelne Heroinsüchtige „ausgrenzen“ würde. Und schließlich werden interessierte Kreise die Forderung erheben, neben Heroin auch andere Rauschgifte wie z.B. Kokain Süchtigen kostenlos zur Verfügung zu stellen. Genau das geschieht heute schon in der Schweiz, dem Land also, das in Europa Vorreiter der Heroinabgabe war.

In Deutschland werden schon heute knapp 50.000 Heroinabhängige mit Ersatzstoffen und hier vor allem mit Methadon versorgt. Das entspricht über 40 Prozent aller Süchtigen. Durch die Regelverschreibung des „Originalsubstituts“ Heroin dürfte sich diese Zahl deutlich erhöhen. Und noch ein weiterer Effekt wird sich einstellen: Viele Süchtige, die man heute mit Methadon substituiert, werden in die Behandlung mit Heroin wechseln, das wegen seiner berauschenden Wirkung für die Betroffenen natürlich attraktiver ist. Spürbar zurückgehen dürfte indes die Nachfrage nach Therapieplätzen in abstinenzorientierten Programmen.

Mit seiner Entscheidung, Heroin auf Krankenschein abzugeben, hat der Deutsche Bundestag einen gefährlichen Weg beschritten, dessen gesundheits- und gesellschaftspolitischen Folgen schon auf mittlere Sicht dramatisch sein werden.



 
 
 
 
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