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20.03.2018 | Drogen und Sucht

„Cannabis auf Rezept“ - dramatischer Anstieg der Nachfrage

Medizinischer Einsatz Zwischenetappe zur Drogenlegalisierung

Seit März letzten Jahres ist medizinisches Cannabis in Deutschland erstmals verschreibungsfähig. Grundlage ist das „Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften“ vom 06.03.2017. Zuvor mussten Personen, die eine standardisierte Cannabisextraktzubereitung oder Medizinal-Cannabisblüten für die Behandlung von Krankheiten oder Schmerzen über die Apotheke beziehen wollten, bei der Bundesopiumstelle des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Genehmigung beantragen, die aber nur ausnahmsweise erteilt wurde. Gerade einmal 1.000 Personen waren vor Änderung der Rechtslage im Besitz einer solchen Erlaubnis. Der Begründung für das neue Gesetz lässt sich entnehmen, dass der Bundestag lediglich von etwa 700 Personen ausging, die Cannabis auf Rezept benötigen würden.

Diese Schätzung hat sich als deutlich zu niedrig erwiesen. Tatsächlich ist die Nachfrage nach medizinischem Cannabis seit Inkrafttreten der Gesetzesnovelle dramatisch gestiegen. Das „Handelsblatt“ berichtet, dass bis Ende Februar dieses Jahres allein bei den drei größten Krankenkassen - AOK, Barmer und Techniker Krankenkasse - insgesamt 16.000 Anträge auf Kostenerstattung für ärztlich verordnetes Cannabis eingegangen waren, von denen bis jetzt 10.000 genehmigt wurden. Bei den genannten Krankenkassen sind etwa die Hälfte aller gesetzlich Versicherten Mitglied. Geht man davon aus, dass die Zahl der bei den anderen gesetzlichen Kassen bewilligten Anträge in Summe dieselbe Größenordnung erreicht, dann hätte man es mit etwa 20.000 Fällen zu tun. In Abhängigkeit von Konsumform und verschriebener Dosis fallen pro Patient und  Monat Kosten in Höhe von 140 bis zu 1.800 Euro an. Hochgerechnet ergäbe sich für die Krankenkassen also eine Belastung von bis zu 432 Millionen Euro im Jahr!

Hinzu kommen solche Patienten, denen Cannabis auf Privatrezept verschrieben wird und die deshalb keinen Anspruch auf Kostenerstattung haben. Diese Personengruppe ist in den obigen Zahlen nicht enthalten.

Weil der Bedarf an Cannabis für medizinische Zwecke wegen der gesetzlichen Neuregelung massiv zugenommen hat, wollen lizenzierte Händler tonnenweise Cannabis nach Deutschland importieren. Allein zwischen September 2017 und März 2018 wurde die Einfuhr von 2.100 Kilogramm Cannabis behördlich genehmigt. Zum Vergleich: Im Zeitraum von November 2008 bis März 2017, also in den mehr als sechs Jahren vor der Gesetzesänderung, betrug die Gesamtmenge an importiertem Cannabis gerade einmal 1.060 Kilogramm. Und das Ende der Fahnenstange dürfte noch nicht erreicht sein. Niema Movassat, drogenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Deutschen Bundestag, geht vielmehr davon aus, dass der Cannabis-Bedarf nach einer gewissen „Eingewöhnungsphase“ kontinuierlich steigen werde.

Es wäre naiv anzunehmen, dass der explosionsartige Anstieg der Nachfrage nach medizinischem Cannabis allein therapeutischen Zwecken zur Verbesserung der Palliativversorgung von Schwerkranken geschuldet ist, um die es der Politik erklärtermaßen geht. Vielmehr liegt der Verdacht nahe, dass sich Drogenkonsumenten unter dem Vorwand, Krankenheitsymptome oder Schmerzen bekämpfen zu wollen, das Rauschgift von willigen Hausärzten verschreiben lassen, finanziert von den Krankenkassen. Experten warnten bereits frühzeitig davor, dass schwammige Formulierungen im Gesetz gepaart mit irreführenden Medienberichten über die medizinischen Einsatzmöglichkeiten von Cannabis dem Missbrauch Tür und Tor öffnen werden. Eine berechtigte Kritik, denn die Novelle weist zahlreiche Unbestimmtheiten und Mängel auf:

- Jeder niedergelassene Arzt darf unabhängig von seiner Fachrichtung Cannabisblüten und Extrakte aus Cannabis per BtM-Rezept verordnen (BtM steht für Betäubungsmittel). Der Nachweis einer besonderen Qualifikation wird nicht gefordert.

- Einem Patienten dürfen monatlich bis zu 100 Gramm der Droge verordnet werden. In begründeten Ausnahmefällen kann diese Höchstmenge auch überschritten werden. Nun wird klar, warum die Importzahlen in die Höhe schnellen. Je mehr Cannabis im Umlauf ist, desto größer ist die Gefahr, dass die für medizinische Zwecke abgegebene Substanz in falsche Hände gerät bzw. auf dem Schwarzmarkt auftaucht. Dass diese Befürchtung nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt der schon seit Jahren rege illegale Handel mit Methadon und Buprenorphin, die Opiatsüchtigen als Ersatzstoffe verschrieben werden.

- Die erlaubte maximale Verschreibungsmenge ist unabhängig vom Gehalt einzelner Cannabinoide in den jeweiligen Cannabissorten. Das gilt auch für THC, dem stärksten psychotrop wirksamen Cannabinoid. Dessen Gehalt darf bis zu 22 Prozent betragen, wobei die Mehrzahl der Patienten THC-Konzentationen von über 10 Prozent bevorzugt. 100 Gramm Cannabis können also zwischen 100 und 22.000 mg THC enthalten. Die vom Gesetzgeber eröffnete Möglichkeit, hochpotentes Cannabis zu verschreiben, erhöht die Gefahr der missbräuchlichen Verwendung.

- Das Gesetz erlaubt Patienten alle Einnahmearten von ärztlich verordnetem Cannabis, also auch die Inhalation vermischt mit Tabak. Dabei sind die gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens hinreichend bekannt, weshalb die Bundesregierung den Tabakkonsum in Deutschland mit millionenteuren Kampagnen bekämpft. Diese Bemühungen werden durch die großzügigen gesetzlichen Regelungen zum medizinischen Einsatz von Cannabis konterkariert.


- Der Gesetzgeber verzichtet darauf, konkrete Krankheitsbilder zu benennen, für deren Behandlung Cannabis eingesetzt werden darf. Ein Arzt kann deshalb Cannabisblüten und -extrakte bei jeder Indikation verordnen, sofern andere Medikamente nicht zur Verfügung stehen oder diese nach Meinung des Mediziners wegen des individuellen Krankheitsbildes oder der zu erwartenden Nebenwirkungen nicht zur Anwendung kommen können. Daraus leitet sich ab, dass eine Cannabis-Therapie auch dann möglich ist, wenn andere, bislang nicht eingesetzte Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen, der Patient also noch nicht „austherapiert“ ist. Cannabis wird vom Gesetzgeber somit nicht als ultima ratio in der Versorgung von Schwerkranken begriffen, sondern als eine praktisch gleichberechtigte Therapiealternative unter vielen gesehen. Das eröffnet dem behandelnden Arzt einen erheblichen Entscheidungsspielraum. Das ist durchaus problematisch. Denn ein Arzt hat immer auch ein wirtschaftliches Interesse an seinem Patienten und ist deshalb geneigt, auf dessen Wünsche einzugehen, um ihn nicht als „Kunden“ zu verlieren.

Dass der Gesetzgeber nicht definiert, bei welchen Erkrankungen oder Symptomen Cannabis verschrieben werden darf, kommt nicht von ungefähr. Bislang hat Cannabis nämlich für keine einzige Indikation eine Zulassung, was für die behördliche Genehmigung von Arzneimitteln in Deutschland ansonsten unverzichtbar ist. Das ist aber auch kein Wunder, denn die Studienlage zum therapeutischen Nutzen von Cannabis ist dürftig und widersprüchlich. Das untermauert eine vom Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegebene Expertise, die im November letzten Jahres veröffentlicht wurde. Sie gibt das Ergebnis einer systemischen Sichtung von über 2.100 wissenschaftlichen Publikationen aus verschiedenen internationalen Datenbanken wieder. Danach ist der aktuelle Forschungsstand ernüchternd: Ein Nutzen des medizinischen Einsatzes von pflanzlichen, synthetischen und teilsynthetischen Cannabinoioden lässt sich allenfalls bei der Bekämpfung von Übelkeit und Erbrechen bzw. Appetitstimulation von Menschen erkennen, die an HIV/AIDS leiden oder wegen einer Krebserkrankung chemotherapeutisch behandelt werden. Chronische Schmerzen als weiteres wichtiges Einsatzfeld für Cannabis-Präparate werden dagegen nur leicht und nicht substantiell gemildert. Dass eine Besserung der Beschwerden eintritt, beruht im Übrigen auf den subjektiven Aussagen von Patienten. Ausreichend objektivierbare Hinweise insbesondere in Form aussagekräftiger klinischer Studien fehlen dagegen. Dasselbe gilt - entgegen anderslautender Berichte in den Medien - auch für die Linderung von Krämpfen bei Multipler Sklerose und Querschnittslähmung. Gleichzeitig wird überstimmend von leichten bis mittelschweren Nebenwirkungen als Folge der Cannabis-Behandlung berichtet.

Wie gesagt, die vorliegenden Befunde zur therapeutischen Relevanz von Cannabis in der Palliativversorgung sind dünn und von geringer wissenschaftlicher Evidenz. Ausgehend von dieser völlig unzureichenden Datenlage hätte Cannabis nicht als Medikament zugelassen werden dürfen, zumal es in Deutschland ein großes Angebot herkömmlicher und gut erforschter Arzneimittel für die fraglichen Einsatzgebiete gibt. Dass der Deutsche Bundestag das Gesetz dennoch passieren ließ, dürfte deshalb nicht in erster Linie medizinische, sondern politische Gründe haben: Schon seit Jahren trommelt die Legalisierungslobby für die Freigabe von Haschisch und Marihuana zum Freizeitgebrauch. Gut organisierte Aktivisten, die teilweise von interessierten Finanzkreisen unterstützt werden sollen, werben nicht zuletzt im Internet und den sozialen Netzwerken massiv für ihr Anliegen. Diese Kampagnen zeigen Wirkung. Neben Grünen und Linkspartei sprechen sich mittlerweile auch die FDP und Teile der SPD für eine zumindest teilweise Legalisierung des Rauschgiftes aus. Um diesen Forderungen entgegenzukommen und „Druck aus dem Kessel“ zu nehmen, hat die Union nachgegeben und dem breiten Einsatz von Cannabis als „Medizin“ bezahlt von den Krankenkassen zugestimmt.


Die Legalisierungsbefürworter haben mit der gesetzlichen Neuregelung einen aus ihrer Sicht wichtigen Erfolg errungen. Denn mit der Verschreibungsfähigkeit von Cannabis wird nicht nur die Verbreitung der Droge in Deutschland gefördert, sondern auch ihr Image gewandelt - weg vom gesundheitsgefährdenden Rauschgift hin zum „Heil- und Schmerzmittel“. Mit der so veränderten öffentlichen Wahrnehmung wird der Boden für die Legalisierung von Cannabis bereitet. Denn eine Substanz, die Ärzte in der Behandlung von Kranken einsetzen, kann nicht gefährlich nicht sein, so die landläufige Vorstellung, die sich vor allem bei Jugendlichen festsetzen wird. Dieser Bewußtseinswandel erhöht die Cannabis-Akzeptanz in der Bevölkerung und erodiert die Pönalisierung des Rauschgiftes, die schließlich nicht mehr haltbar sein wird.

Dass diese Strategie aufgehen kann, zeigt das Beispiel Vereinigte Staaten. Immer mehr US-Bundesstaaten stellen Anbau, Besitz, Erwerb und Konsum der Droge straffrei, nachdem zunächst nur ihr medizinischer Gebrauch erlaubt war. Sehr zur Freude von Cannabis-Industrie und Börsenspekulanten, die mit der Freigabe des Rauschgiftes Milliarden verdienen. Die negativen Folgen für die Gesellschaft, die heute erst in Ansätzen sichtbar sind, werden sich in vollem Umfang erst in einigen Jahren und Jahrzehnten zeigen. Doch dann dürfte es zu spät sein, den Geist wieder in die Flasche zu zwingen.

Für die politische Linke ist die Cannabislegalisierung ohnehin nur eine Etappe hin zur völligen Freigabe von Drogen, eine Forderung, die in einschlägigen Kreisen schon seit Jahrzehnten erhoben wird. Viele bürgerliche Politiker, teilweise geblendet von der Aussicht auf hohe Steuereinnahmen aus dem legalen Rauschgiftverkauf, durchschauen diese Strategie nicht und machen sich ungewollt zu „nützlichen Idioten“ der Drogenlobby und ihren gesellschaftszerstörenden Zielsetzungen.

 



 
 
 
 
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