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30.05.2009 | Islam

Al Qaidas Mehrfrontenjihad - Sicherheitslage Afghanistan

Gastbeitrag von Dr. Thomas Tartsch

Während sich die mediale Berichterstattung über das hybride global agierende Terrornetzwerk al Qaida auf die Aktivitäten in Afghanistan und Pakistan konzentriert, hat al Qaida damit begonnen, einen Mehrfrontenjihad zu führen, um den „nahen“ und den „fernen“ Feind zu bekämpfen.

In den letzten Monaten ist es al Qaida gelungen, die jihadistischen Kräfte in Saudi-Arabien und im Yemen in der „al Qaida auf der arabischen Halbinsel“ unter Führung von Nasser Al Ohishi zu bündeln, um primär die Herrschaft der Saud-Dynastie, die seit dem zweiten Golfkrieg 1991 bevorzugtes Ziel der saudisch-ägyptisch dominierten ersten al Qaida Generation war, zu beenden. Zudem soll die militärische Präsenz der Vereinigten Staaten in der Region in Form von Militärbasen und deren Funktion als Ausgangspunkt militärischer Interventionen und Sicherung der Nachschubwege gestört und geschwächt werden.

Die sunnitische al Qaida hat sich zudem mit der schiitischen antiiranischen Jundullah verbündet, um eine eigene Präsenz im Iran zu installieren. Die erste Aktion nach der vereinbarten Zusammenarbeit war der am 28.05.2009 erfolgte Anschlag auf eine Moschee in der südostiranischen Stadt Zahedan, bei der mindestens 15 Menschen getötet wurden. Hierfür hat inzwischen die Jundullah die Verantwortung übernommen.

Im Libanon verstärkt al Qaida seine Präsenz, wozu der Kuwaiter Mohammed al-Dousari (Kampfname: Abu Talha) damit begonnen hat, eine al Qaida Zweigstelle im Libanon aufzubauen, die logistische Dienstleistungen und die Schleusung von al Qaida Kämpfern übernehmen soll. Gleichzeitig trainieren im Libanon al Qaida Kämpfer mit der schiitischen und vom Iran unterstützten Hez’b Allah, da der Iran in den letzten Jahren eine quantitativ große Anzahl von al Qaida Kämpfern (darunter rund 18 hochrangige Führungspersönlichkeiten) Unterschlupf gewährt hat.

Für die Sicherheitsinteressen Deutschlands bleibt primär die Situation in Afghanistan und Pakistan relevant, wo al Qaida seinen Einfluss immer weiter ausbreitet, da sich al Qaida Kräfte in jeder Region entlang der afghanisch-pakistanischen Grenze etabliert haben.

Während die Offensive der pakistanischen Armee im SWAT Tal nach außen anscheinend zu einem Ausweichen der pakistanischen Taliban geführt hat, die sich in Teilen der afghanischen Taliban angeschlossen haben, verschärft sich der Konflikt in Süd Waziristan, wo die dortigen Taliban der Tehrik-i-Taliban Pakistan unter ihrem Anführer Baitullah Mehsud damit begonnen haben, das Gebiet der Provinz Süd Waziristan zu verminen, während als Reaktion auf die Militäroffensive Selbstmordanschläge in der pakistanischen Provinz Punjab befürchtet werden, die an die indischen Bundesstaaten Punjab und Rajasthan angrenzt, womit sich der schwelende Konflikt zwischen Pakistan und Indien verschärfen kann.

al Qaida nimmt hierbei in Afghanistan und Pakistan nicht wie im Irak direkt an Kampfhandlungen unter eigenem Namen teil, sondern unterstützt regionale Gruppen zur Durchsetzung ihrer eigenen strategischen Ziele.

Diese Strategie hat bis jetzt Erfolg gezeigt, da es gelungen ist, Anerkennung für die Idee eines Zweifrontenkriegs gegen die NATO Truppen in Afghanistan und die pakistanische Regierung durch die Unerstützung von Baitullah Mehsud zu finden, der von saudischen, usbekischen, türkischen und tschetschenischen Jihadisten unterstützt wird. Mehsud, der seit Februar 2009 als unangefochtener Feldkommandeur gilt, hat es geschafft, eine starke Verbindung zwischen den afghanischen und pakistanischen Taliban zu knüpfen, gegen die die Obama Administration eine neue Counterinsurgency Strategie setzen will, die beide Länder umfassen soll.

Dagegen unterstützt al Qaida in der Region weiterhin jihadistische Gruppen wie das Haqqani Netzwerk unter Führung von Sirajuddin Haqqani in der afghanisch-pakistanischen Grenzprovinz Paktika, wo der al Qaida Veteran Maulvi Twaha (der u.a. 2001 fünf afghanische Studenten erschoss), logistische Unterstützung leistet und das Ein- und Aussickern ausländischer jihadistischer Kämpfer bewerkstelligt, während die Propagandaarbeit durch den einschlägig bekannten Abu Yahya al-Libbi forciert wird, der einen Radiosender betreibt, der in beiden Ländern empfangen wird, wozu billige chinesische Transistorradios an die Bevölkerung zur Massenverbreitung der Propaganda verteil werden.

al Qaida übernimmt weiterhin, da es nicht offiziell in Erscheinung tritt, neben der finanziellen Unterstützung und der Führung des Internetjihad der salafitischen Cyber Umma für jihadistische Gruppen in der Region auch die Ausbildung der jihadistischen Kämpfer durch al Qaida Ausbilder, die u.a. in der Manba Ulum Haqqania madrassa des Haqqani Netzwerkes in Nord Waziristan tätig sind, die in der Vergangenheit das Ziel amerikanischer Predator Drohnen war. Als Ergebnis dieser Bombadierungen haben sich die Schulungen in unzulängliche Gebirgs- und Waldgebiete verlagert, wo immer mehr pakistanische und ausländische Kämpfer geschult werden, da durch die sich abzeichnende Niederlage von al Qaida im Irak Afghanistan primäres Ziel des inter- und multinationalen Jihad geworden ist.

Unter diesen multinationalen Jihadisten befindet sich ein steigender Anteil von Konvertiten, deren verstärkte Reisebewegungen in pakistanische Ausbildungslager mindestens seit Mitte 2007 von den jeweiligen Sicherheitsbehörden wahrgenommen und (soweit möglich) verfolgt werden, wobei genaue Zahlenangaben nicht gemacht werden können. Kehren diese Jihadisten in ihre Heimatländer zurück, verstärken sie dort den homegrown terrorism der dritten und vierten Jihadistengeneration wie in Deutschland, wo man offiziell von rund 50 in Pakistan ausgebildeten Muslimen und Konvertiten ausgeht, die hier Rekrutierungs-, Propaganda- und Anschlagsaktivitäten ausüben und planen.

Insgesamt gesehen hat al Qaida als lernendes Netzwerk aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und entsprechende Strategieänderungen vollzogen, da die finanzielle, logistische, ausbildungstechnische, taktische und propagandistische Unterstützung regionaler jihadistischer Gruppen und Strukturen im Hintergrund mehr Erfolg verspricht als die direkte Teilnahme am Jihad wie im Irak, wo die operativen militärischen Fähigkeiten zu 80% zerschlagen wurden.

Sollte sich diese Entwicklung verstärken, kann al Qaida als direkter Nutznießer nicht nur die operativen Fähigkeiten auf den Stand von vor Ende 2001 regenerieren, sondern der Westen sieht sich einer multiplen Gefährdungslage gegenüber, die die politisch, sozial und ökonomisch instabilen Regionen im Nahen Osten und Südasien mit einem Flächenbrand überziehen können.

Schon jetzt werden die innen- und außenpolitischen Interessen Deutschlands durch die Sicherheitslage in Afghanistan tangiert, die vor dem Hintergrund der anstehenden Wahlen die Politik der deutschen Regierung und der Opposition beeinflusst, die um Wählerstimmen kämpfen.

Diese hat sich in Fortführung der Lagebeurteilung 2008 kontinuierlich und signifikant verschlechtert, was durch die steigende Anzahl von Angriffen auf die Feldlager und Patroullien der International Security Assistance Force (ISAF) belegt wird, wobei Ende April ein deutscher Fallschirmjäger getötet wurde, der nach Stand der derzeitigen Erkenntnisse sein Leben für das seiner Kameraden opferte. Die Zahl der gewaltsamen Zwischenfälle im ISAF Kommandogebiet RC-Nord, wo das deutsche ISAF Kontingent stationiert ist, hat sich im Vergleich von 2007 zu 2008 mit 395 Zwischenfällen um 56% gesteigert, was auf verstärkte Aktivitäten der verschiedenen jihadistischen Gruppen zurückzuführen ist.

Der Süden Afghanistans stellt dabei nach wie vor die Region mit den meisten sicherheitsrelevanten Ereignissen und der höchsten Gefährdungsstufe dar, wobei sich die Sicherheitslage für die deutschen ISAF Kontingente in Nordafghanistan (bezogen auf das Anschlagsrisiko) dieser Region annähert. Das verdeutlichen die 6 in kurzer Folge im Internet veröffentlichten Drohvideos mit aus Deutschland stammenden Jihadisten als Akteuren, die von zum Umfeld von al Qaida gehörenden Medienfirmen produziert wurden, die explizit Deutschland und die deutschen ISAF Kontingente als Anschlagsziele nennen, womit die Bundeswehr direkt ins Zielspektrum der regional ausgerichteten und international unterstützten Terrorstrukturen geraten ist. In der Gesamtschau führen diese Videobotschaften zu der Einschätzung, dass deutsche Interessen und Einrichtungen in Afghanistan hinsichtlich des bestehenden Gefährdungsgrades mit amerikanischen und britischen Interessen und Einrichtungen gleichzusetzen sind, was eine Verschlechterung gegenüber 2008 beinhaltet, als der Gefährdungsgrad mit „nahezu gleichzusetzen“ eingeschätzt wurde.

Die Gefährdungslage wird verstärkt durch die auf Eigensicherung zurückzuführende Abschottung der deutschen ISAF Kontingente, was zu einer zunehmenden Distanzierung zur Bevölkerung führt. Schon die Nichterfüllung des Auftrages der Sicherung afghanischer Mädchenschulen durch die deutschen ISAF Kontingente vor Angriffen der afghanischen Taliban in ihrem Mandatsgebiet verdeutlicht das Fehlen der für jede erfolgreiche Counterinsurgency Strategie erforderliche permanente Präsenz in der Fläche zum Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zur Zivilbevölkerung, um einen Keil zwischen dieser und jihadistischen Kräften zu treiben, der durch die langfristige Gewährung von Schutz vor dem Terror der Taliban mit dem Ziel der Trennung von Zivilbevölkerung und Jihadisten begleitet wird. Denn der Erfolg von Counterinsurgency hängt grundlegend vom Vertrauen der Zivilbevölkerung in die Fähigkeit der Schutzmacht ab, diese vor den Angriffen der Jihadisten zu schützen, da der Großteil der Afghanen keine Sympathisanten der Jihadisten sind.

Dieses ist derzeit nicht gegeben, da die ausländischen Truppen durch den hohen Bodycount der Zivilbevölkerung als Kollateralschäden im Rahmen des Anti-Terror-Kampfes (ATK) der NATO Truppen als Feind gesehen und zu den Taliban getrieben werden, die Schutz versprechen. Diese wiederum sehen objekt- und personenbezogene Angriffe auf ISAF und ATK als erfolgversprechendes Mittel, um die derzeitige Regierung Karsai zu schwächen und eine Verhaltensänderung der westlichen Regierungen zu erzwingen. Für die Bundeswehr fehlt es derzeit an jeglichem Konzept für eine erfolgreiche Counterinsurgency Strategie, da schon innerhalb der Bundeswehr keine entsprechenden personellen Ressourcen vorhanden sind, die islamische Kampfdoktrinen studiert haben und entsprechende Counterinsurgency entwickeln können, da man den Gegenjihad nicht am grünen Tisch des Planungsstabes oder im Offizierscasino gewinnt, sondern an der Front. Ändert sich dieses nicht, geraten die deutschen ISAF Kontingente in Gefahr, von den jihadistischen Kräften in naher Zukunft aufgerollt zu werden.

Gastbeitrag von Dr. Thomas Tartsch



 
 
 
 
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