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29.05.2009 | Zeitgeschichte

Attentat auf Rudi Dutschke durch Stasi?

Dutschke-Sohn fordert Aufklärung durch Birthler-Behörde

Marek Dutschke, Sohn des 1979 verstorbenen Studentenführers Rudi Dutschke, hat die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR dazu aufgefordert, eine mögliche Verstrickung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in das Attentat auf seinen Vater vom April 1968 zu prüfen.

Zum Interview von Marek Dutschke mit der Süddeutschen Zeitung

Rudi Dutschke war am 11.04.1968 von dem Hilfsarbeiter Josef Bachmann angeschossen und schwer verletzt worden. Nach Angaben von Dutschke junior habe sein Vater selbst den Verdacht gehegt, daß die Stasi für den Mordanschlag auf seine Person verantwortlich war. Das gehe aus einem Schreiben hervor, das der Studentenführer seiner Familie hinterließ. Die Birthler-Behörde hat zwischenzeitlich erklärt, daß es keine Stasi-Akte über Josef Bachmann gäbe. Das muß freilich nichts heißen. Schließlich verfügt die Bundesstelle nur über ein Teil der Unterlagen des MfS. Zahlreiche Dokumente wurden von der Stasi noch kurz vor der Wiedervereinigung vernichtet.

Anlaß für den Vorstoß von Marek Dutschke sind
die jüngsten Enthüllungen um den Berliner Polizeibeamten Karl-Heinz Kurras. Kurras hatte im Juni 1967 auf einer Demonstration in Berlin den Studenten Benno Ohnesorg durch einen Schuß in den Hinterkopf getötet. Die Tatumstände sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Aus einer Stasi-Akte, die kürzlich von einer Wissenschaftlerin gefunden wurde, geht hervor, daß Karl-Heinz Kurras seit 1955 Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit war, zuletzt im Range eines Majors. Außerdem gehörte er seit 1962 der SED an.

Zum aktuellen Fall Kurras ein Beitrag in der „Welt“

Der Tod von Ohnesorg gilt als Ausgangspunkt für die Radikalisierung der westdeutschen Studentenbewegung, aus der wenige Jahre später auch die Rote Armee Fraktion (RAF) hervorging. Unklar ist, ob Kurras von der Stasi beauftragt worden war, die angespannte Lage in West-Berlin durch eine entsprechende Aktion gezielt zu eskalieren. Kurras selbst bestreitet dies und auch Historiker gehen davon nach heutigem Kenntnisstand eher nicht aus. Aber wie schon gesagt, die deutschen Behörden verfügen nur über einen Teil der Stasi-Unterlagen.

Der frühere Bundesinnenminister Otto Schily, der als Anwalt Ende der sechziger Jahre selbst Mitglieder der Studentenbewegung verteidigte, vermutet jedenfalls einen indirekten Einfluß der Stasi-Tätigkeit des SED-Mitglieds Kurras auf dessen Verhalten im Juni 1967. Kurras könnte ohne Zutun seiner Vorgesetzten von sich aus den Plan gefaßt hatte, durch die Ermordung von Benno Ohnesorg den Konflikt zwischen Studentenbewegung und Staatsmacht zu verschärfen, und damit West-Berlin und die Bundesrepublik zu destabilisieren. Das ihm dies teilweise auch gelungen ist, zeigt der Fortgang der historischen Ereignisse in den darauffolgenden Jahren und Jahrzehnten.

Vor diesem Hintergrund ist die Forderung von Marek Dutschke, die Birthler-Behörde müsse anhand der Stasi-Unterlagen prüfen, ob das MfS in welcher Form auch immer in den Anschlag auf seinen Vater involviert war, durchaus berechtigt. Dem aus der DDR stammenden Dutschke-Attentäter Josef Bachmann wurde damals übrigens einen rechtsextremes Motiv unterstellt. Bachmann trug während der Tat einen Hetzartikel gegen Dutschke aus der ultrarechten „Deutschen National-Zeitung“ mit sich. In seiner Wohnung wurde neben NS-Devotionalien auch ein selbstgemaltes Porträt von Adolf Hitler gefunden. Das alles wirkt auf den unbefangenen Betrachter reichlich konstruiert und läßt den Verdacht aufkommen, daß hier mit einigem Bemühen versucht wurde, Bachmann als Teil der neonazistischen Szene Westdeutschlands hinzustellen. Das könnte durchaus auf die Handschrift der Stasi hindeuten. Wie man heute weiß, war das MfS Ende der fünfziger Jahre für antisemitische Schmierereien in Köln verantwortlich, die großes Aufsehen erregten. Damit sollte in der Weltöffentlichkeit das von der DDR-Propaganda permanent gezeichnete Bild von der Bundesrepublik Deutschland als „Hort der Altnazis“ verfestigt werden. In diese Strategie hätte es nahtlos gepaßt, wenn die Stasi einen von ihr gesteuerten Dutschke-Attentäter Bachmann gezielt im rechtsextremen Spektrum verortete.

Eine Durchforstung der bei der Birthler-Behörde gelagerten Akten des Ministeriums für Staatssicherheit könnte aber auch zu ganz anderen Ergebnissen führen. Bereits zur Zeit der Studentenunruhen Ende in den sechziger Jahren gab es zahlreiche Stimmen, die östliche Geheimdienste als Drahtzieher hinter der 68er-Revolte vermuteten. Daß Teile der Studentenbewegung von DDR-Agenten durchsetzt waren und manche Kampagnen in Ost-Berlin konzipiert wurden, davon sind Wissenschaftler heute überzeugt. Umstritten ist aber die Frage, ob auch die führenden Köpfe der 68er unter dem Einfluß des MfS standen, möglicherweise sogar von der Stasi geführt wurden. Beweise für diese These gibt es bis heute nicht. Kritiker der 68er-Bewegung weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, daß neben anderen Studentenführern auch Rudi Dutschke seine Jugendjahre in der DDR verbrachte. Dort trat er 1956 der FDJ bei. Angeblich durch den ungarischen Volksaufstand politisiert soll sich Dutschke dann aber vom DDR-Sozialismus abgewendet haben. Nur wenige Tage vor dem Mauerbau im Jahre 1961 wechselte Dutschke nach West-Berlin, wo er ein Studium aufnahm. In den folgenden Jahren entwickelte sich Dutschke zum maßgebenden Organisator und zur ideologischen Leitfigur der Studentenproteste. Eine ähnliche Biographie weist Bernd Rabehl auf, ein enger Weggefährte Dutschkes. Auch Rabehl, der heute Kontakte ins rechtsradikale Lager pflegt, lebte zunächst in der DDR, bevor er 1961 in den Westteil Berlins kam.

Die DDR-Herkunft von Rudi Dutschke muß natürlich nichts bedeuten. Seine oppositionelle Haltung, die er gegenüber dem SED-Regime seit Mitte der fünfziger Jahre einnahm, kann durchaus echt gewesen sein. Genausogut wäre es aber denkbar, daß Dutschke vom Ministerium für Staatssicherheit mit der „richtigen“ Biographie ausgestattet wurde, um ihn neben anderen als Agent Provocateur im subversiven Kampf des Ostblocks gegen die Bundesrepublik und West-Berlin einzusetzen. Sollte dem so sein, dann wäre das zweifellos der größte Coup der Stasi gewesen, dessen Nachwirkungen die politische Gegenwart Deutschlands bis in die Gegenwart bestimmen. Zugegeben, das ist Spekulation, der die bekannte Aktenlage widerspricht. Aber eben auch nicht gänzlich auszuschließen.

Die Wissenschaft ist jedenfalls gut beraten, die bei der Birthler-Behörde gelagerten Unterlagen des MfS mit Blick auf die 68er-Revolte einer genauen Untersuchung zu unterziehen. Es muß die Frage geklärt werden, welchen Einfluß der SED-Staat auf die westdeutsche Studentenbewegung und ihre Wortführer konkret hatte. Dabei könnte durchaus die eine oder andere Überraschung aus den Archiven zutage gefördert werden, die vielleicht ganz anders aussieht, als Marek Dutschke sich das vorstellt.



 
 
 
 
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